Grinding Black Zero - Review (The-pit.de, Feb 2011) / german

Reviews - Grinding black zero

Grindcore, Crustcore, Thrash Metal, Death Metal – da fehlt nur noch Black Metal und die lärmigsten Stile der Metalszene wären vereint. Wer hier ein ganzes Album lang durchhält, dessen Tagesration an Migräne-Metal ist erst dann gedeckt, wenn er sich Agoraphobic Nosebleed, Lifelover, Exodus und D.R.I. hintereinander zum Frühstück reingezogen hat.

Ähnlich sieht es bei der Schreiberin dieser Zeilen aus. Wo liebliche Nymphengesänge oder powermetallische Balladen von zerrenden Kopfschmerzen über Brechreiz bis hin zu spontaner Selbstverbrennung alle möglichen Antipathie-Symptome auslösen, da werden Bands wie Necromorph begeistert aufgenommen. Derbe Grindcore-Schnitten à la „Stagnation“ stehen auf der neuen Scheibe „Grinding Black Zero“ neben fast klassischen Thrashern wie „When A Whisper Breaks Necks“. Bitterböses Geschrei, schrammelnde Gitarren, rasante Drums – das ist der Stoff, aus dem Genickbrüche sind. Es wundert also nicht weiter, dass die Berliner inzwischen seit knapp 16 Jahren in den lautesten, schmutzigsten und rohesten Metalstilen wildern, um ihre nicht unerhebliche Fangemeinde mit rotzigen Scheiben zu versorgen.

Instrumentell wird hier die alte Schule der schwedischen Todesmetall- und Grindcore-Zunft zitiert – Nihilist und Entombed an allen Ecken und Enden, ab und an schimmert ein bisschen Possessed hier und ein bisschen Napalm Death dort durch die Laustsprechermembran. Ein Schelm, wer da Böses denkt, denn abgekupfert wird nicht – dafür haben Necromorph viel zu viel Spaß daran, alles zu verwursten, was irgendwie in die krude Mischung hineinpasst. Sänger Fritz agiert für einen Grindcore-Vokalisten erstaunlich variabel – von thrashigem Gekeife über knietiefe Growls bis hin zu hysterischem, schwarzmetallisch angehauchtem Geschrei kann man sich hier in aller Ruhe die Verstümmelung der Stimmbänder anhören.

Die Jungs starten so, wie man es von ihnen erwartet: Mit „Nautic Noise“, recht old-schooligen Gitarren und Blastbeats neben fast unverständlichem Geschrei. Steigt Fritz eine Oktave tiefer, driftet er beinahe in Hardcore-lastiges Röhren ab; hier wird in zweieinhalb Minuten mehr Abwechslung gezeigt als bei manch anderen Grindcore-Bands auf der ganzen Platte. „Convicted To Breathe“ kommt dann sehr gruselig mit manischer Atmosphäre und eingespielten Stimm-Samples daher, nebenher bearbeitet Schlagwerker Mica in Raserei seine Felle und Fritz keift sich warm - was für ein Fest.

Ganze 55 Sekunden dauert die wilde Fahrt bei „Exclusive Suffering“ – selten hört man einen so eindringlichen Grindcore-Song, der noch dazu ein bisschen Gänsehaut erzeugt. Und wer dachte, schneller geht es nicht, dem wird das nicht mal 30-sekündige „Shot“ die Unwissenheit aus dem Hirn blasen. Im Gegensatz dazu zeigen Necromorph bei Tracks wie „Brainless“ aber auch, dass sie mehr können als in möglichst kurzer Zeit möglichst viele Trommelfelle zum Platzen zu bringen. Der Song ist zwar kaum weniger brutal als seine wesentlich kürzeren Mitstreiter, obwohl hier eine ordentliche Prise Thrash verstreut wurde und man sich die meiste Zeit im schnellen Midtempo-Bereich angesiedelt hat.

Durch „Necroville“ prescht der Zug weiter gen Ende der Platte. Vorher wird man noch einmal richtig schön durchgeschüttelt – das Tempo wird schön hoch gehalten, und Fritz wäre nach seinem absolut hysterischen Auftritt in diesem Song auch wunderbar bei einer Deathcore-/Tech-Metal-Kapelle aufgehoben. Überhaupt wertet der recht vielseitige Gesang die ohnehin schon wirklich gute Scheibe noch einmal gehörig auf – so muss das sein. Statt unverständlichem Geblubber und Gegrunze à la „gestörter Psychopath mit Sprachfehler und Magenverstimmung“ gibt es hier erstklassige Vocals auf die Ohren. Anstrengend ist „Grinding Black Zero“ für ungeübte Ohren, keine Frage – Grindcore- und Thrash-Fans, sowie Anhänger der frühen Death-Metal-Szene können hier gerne das ein oder andere Trommelfell riskieren.

Katharina Neuert - 7.5 von 10 Punkten

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